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Wow, werden in Tettnang die Bohnen hoch!

Schon manch einem Hobbygärtner ist bei der Durchreise durch Tettnang staunend der Mund aufgeklappt: „In Tettnang haben die Leute wohl ein Händchen für den Bohnenanbau…“ Dem möchten wir pauschal nicht widersprechen. Dennoch sind die eindrucksvollen Gerüstanlagen natürlich für unsere Hopfendamen und nicht für Gartenbohnen vorgesehen. Diese gedeihen für gewöhnlich besser im Bauerngarten neben der Hofstelle. Zugegeben! Vergleicht man Bohne und Hopfen gibt es einige Parallelen: beide erreichen eindrucksvolle Höhen, beide ranken sich um eine Steighilfe. Doch Hopfen gehört zu den Hanfgewächsen, Bohnen hingegen sind Hülsenfrüchtler. Hopfen klettern mit dem Uhrzeigersinn und Bohnen genau andersherum. Mehr Schnittmenge als die grüne Farbe und das windende Höhenwachstum gibt es also kaum. Dass Hopfen schon allein aufgrund seiner komplexen Verwendung im Bier um ein Vielfaches spektakulärer ist, muss wohl nicht zusätzlich erwähnt werden.

Dennoch verdient die Bohne Respekt. Denn ohne Bohne gäbe es ein schwäbisches traditionelles, sinnstiftendes Sommeressen weniger. Wir sprechen von Sauren Bohnen mit Spätzle und Saitenwürsten. Wurde man noch vor Jahren als Schwabe für verrückt erklärt Beilagen mit Beilagen zu kombinieren und diese auch noch mit Essig zu säuern, sind Saure Linsen mittlerweile in der Kategorie “soul food” bekannt und beliebt. Dies gilt (noch) nicht für Saure Bohnen! In unseren Recherchen konnten wir einen Saure Bohnen Äquator definieren, der südlich von Stuttgart Baden-Württemberg teilt. Südlich dieser imaginären Grenze gehören die säuerlichen Bohnen zum Speiseplan des stolzen Schwaben. Natürlich hat jede Familie ihre streng geheime, nicht zu übertreffende Interpretation des Klassikers. Kleine Abweichungen oder noch schlimmer Improvisationen bei der Zubereitung können dabei nicht selten zu Unverständnis oder gar Ablehnung seitens der Familienmitglieder führen.

 

Nach langer Diskussion sind wir dazu bereit, das Rezept unserer Oma Erika, mit unseren Bloglesern zu teilen. Für alle Oberschwaben die Gelegenheit die einzig Wahren Sauren Bohnen kennen zu lernen, für alle anderen eine Erweiterung ihres Klassikerportfolios. Wer nicht kochen kann oder möchte, bekommt nächste Woche bei uns im Hopfengut übrigens das Original! Wir wünschen gutes Gelingen!

 

Oma Erikas Saure Bohnen

Zuerst werden die Bohnen zubereitet! Hierzu 500g grüne Bohnen waschen, abtropfen lassen, putzen und in mundgerechte Stücke schneiden. Mit etwas Bohnenkraut in schwach gesalzenem Wasser weichkochen und absieben. Bohnenwasser auffangen und abkühlen lassen!

Danach wird die Saure Soße gekocht. Man nehme:

40g Fett, 60-70g Mehl, 1 Zwiebel, etwa ½ l Bohnenwasser, 1 Lorbeerblatt, 1 Nelke, 1 Prise Pfeffer, je 1 EL Essig und Zitronensaft, Salz und Zucker zum Abschmecken.

Im heißen Fett das Mehl unter ständigem Rühren (links rum) braun rösten. Bei gewünschter Färbung die gewiegte Zwiebel zugeben und etwa 5 min mitrösten. Mit dem abgekühlten Bohnenwasser ablöschen, Lorbeerblatt, Nelke, Essig sowie Zitronensaft zufügen und die Soße 20-30 min schwach kochen. Zuletzt mit Salz und Zucker abschmecken und durch ein Sieb streichen.

Während die Saure Soße köchelt die Spätzle zubereiten (auch hier scheiden sich die Geister hinsichtlich der perfekten Zubereitung... Wir empfehlen, um des Friedens willen aufs Familienrezept oder die Hausmarke zurückzugreifen) und die Saitenwürste aufwärmen.

Die Bohnen mit der sauren Soße vermengen, Spätzle und Saitenwürste dazu anrichten, Essig und Pfeffer zur individuellen Verfeinerung reichen und GENIESSEN!

Guten Appetit!

 

 

 

 

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